Leben in einer Jurte


Leben in der Jurte

Aussehen und Einrichtung der Jurte

Die Lebensweise der Nomaden in der Mongolei stellt besondere Anforderungen an ihre Behausung: Ausreichend Platz muss sie bieten, gegen Wind und Kälte schützen – und vor allem transportabel sein. Das Zelt der Nomaden – die Jurte (zu Deutsch „Heim“) – wurde über die Zeit perfekt an diese Bedürfnisse angepasst.

Jurten gibt es in unterschiedlichen Größen: kleine, die leicht mit auf die Jagd genommen werden können, oder geräumige, in denen eine Festgemeinschaft Platz finden kann. Die Größe der Jurte richtet sich nach der Anzahl der Seitenwände, die  jeweils aus mehreren Holzlatten bestehen. Eine alltägliche Jurte hat fünf Wände (plus einen stets nach Süden weisendem Türrahmen) und ist um die 25 Quadratmeter groß. In der Mitte des Raumes stützen zwei Pfeiler den Dachkranz, der sich in etwa 2,40 Metern Höhe befindet. Durch ihn kann Licht eindringen, Rauch entweichen,  und er dient als Sonnenuhr. Mit einem Segeltuch kann die Öffnung bei schlechtem Wetter geschlossen werden. Die gesamte Holzkonstruktion wird von Filz umhüllt – im Winter sind es drei bis vier Lagen (und das, obwohl hochwertiger Filz doppelt so gut dämmt wie eine Ziegelschicht) – und mit Seilen umspannt, damit das Ganze stabiler wird. So eine Jurte kann wärmer sein als manch mongolische Haus. Etwa eine Stunde dauert es, um die Jurte auf- und abzubauen, wenn die ganze Familie mithilft. Die topografischen Gegebenheiten bestimmten den Standort der Jurte: im Winter am geschützten Berghang, im Sommer in einem Tal mit Durchzug, und immer auf einem trockenen Boden. Vor dem Aufbau werden der Ofen und größere Gegenstände bereits an ihren Platz gestellt – sie müssten sonst draußen bleiben. Die Nomaden transportieren ihr Zuhause per Kamel oder mit dem Geländewagen.

Gercamp, Mongolei Rundreise

Zu Gast in einer Jurte

Gastfreundschaft ist in der Mongolei von besonderer Bedeutung. Es gibt hier den Brauch, dass jeder Gast in einer Jurte willkommen ist. Durch diese Tradition gelang es den Nomaden, auch ohne einen festen Wohnsitz ein soziales Gefüge aufzubauen. Jeder konnte und kann sich in dem dünn besiedelten Land auf ein Nachtlager und Nahrung verlassen.

Etikette in der Jurte

Jedes Familienmitglied hat einen bestimmten Platz in der Jurte, der seinem sozialen Rang entspricht. Wenn Sie von Nomaden auf einen Tee eingeladen werden, gibt es dementsprechend auch einige Regeln, die Sie als Besucher beachten sollten, um nicht unhöflich zu sein und Ihren Platz im  Sozialgefüge zu finden. Geht man auf eine Jurte zu, ist es üblich, „Haltet den Hund!“ zu rufen – die Behausung wird gut vor Feinden bewacht. Nähern Sie sich der Jurte generell von Süden her, sodass die Nomaden Sie gleich sehen; und treten Sie mit dem rechten Fuß ein, ohne die Türschwelle zu berühren. Auch sollten Sie sich bald setzen (zu langes Stehen gilt als unangemessen) und sich nicht zwischen den beiden Pfosten aufhalten, denn sie haben als Träger des Hauses eine besondere Bedeutung. Das Familienoberhaupt sitzt im Norden mit Blick zur Tür, zu seiner Linken sitzen die Frauen, die rechte ist die Männerseite. Keine Sorge, Ihr Gastgeber wird Ihnen den Platz zeigen.

Verzierungen an den Jurten, Mongolei Rundreise
Jurte in der Gobi Wüste, Mongolei Rundreise

Wenn man sich dann niedergelassen hat, gilt es, die Füße nicht gegen Personen, den Herd oder den Altar auszustrecken oder mit ihnen gar etwas zu berühren. Wird Ihnen etwas zu essen angeboten, sollten Sie auf jeden Fall davon probieren. Beim Essen sind erst alle zufrieden, wenn Sie noch etwas übrig lassen – aufzuessen ist in diesem Fall also nicht das beste Zeichen. Wenn Wodka gereicht wird, leert man ihn nicht sofort in einem Zug, sondern spritzt vorher ein paar Tropfen nach oben, zur Seite und zum Boden – die Geister sollen schließlich auch etwas davon haben. Nehmen Sie etwas entgegen bzw. reichen Sie etwas, dann lieber mit der rechten Hand (die Linke stützt den rechten Arm dabei am Ellbogen), die für höhere Tätigkeiten benutzt wird.

Innenleben einer Jurte, Mongolei Rundreise

 Das alles mag erst einmal kompliziert klingen, aber keine Sorge. Die Nomaden verzeihen Gästen aus der Fremde Verstöße gegen ihre Sitten – umso mehr Eindruck macht es auf Ihre Gastgeber aber, wenn Sie ein paar Gepflogenheiten kennen. Wenn Sie mit Asien Special Tours reisen haben Sie natürlich Ihren Reiseleiter an Ihrer Seite, der Sie nicht in Fettnäpfchen treten lässt. 

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